Outsourcing von Einkaufsprozessen: Leitfaden für mehr Effizienz
Das Kernziel: Unternehmen senken durch Bündelungseffekte ihre Kosten, greifen sofort auf Expertenwissen und moderne Einkaufstools zu und gewinnen Ressourcen, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Besonders geeignet ist das Auslagern für den sogenannten “Tail-Spend” (C-Teile-Management) unter Nutzung des 1-Kreditor-Modells, da hier der administrative Aufwand oft in keinem Verhältnis zum Warenwert steht.
Was bedeutet Outsourcing von Einkaufsprozessen konkret?

Dies ist mehr als nur der Einkauf von Waren über einen Händler. Der Dienstleister übernimmt die Rolle der internen Einkaufsabteilung. Er verhandelt Verträge, qualifiziert Lieferanten, überwacht die Lieferkette und wickelt Bestellungen ab. Dabei agiert er im Namen und oft auch in den IT-Systemen des beauftragenden Unternehmens.
Es gibt zwei Hauptformen:
- Operatives Outsourcing: Fokus auf Bestellabwicklung, Rechnungsprüfung und Stammdatenpflege.
- Strategisches Outsourcing: Fokus auf Warengruppenmanagement, Ausschreibungen und Lieferantenentwicklung.
Die Vorteile: Warum den Einkauf auslagern?
Der Druck auf Einkaufsorganisationen wächst: Kosten müssen runter, die Versorgungssicherheit rauf. Hier sind die zentralen Argumente für die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister:
“Wer versucht, alles selbst zu erledigen, wird am Ende nichts meisterhaft beherrschen – Wachstum entsteht durch Fokus.”
- Sofortige Kostensenkung und Bündelung: Dienstleister bündeln die Bedarfe mehrerer Kunden. Dadurch erzielen sie Einkaufskonditionen, die ein einzelnes Unternehmen – besonders im Mittelstand – allein nie erreichen würde.
- Fokus auf das Kerngeschäft: Durch die Auslagerung von Routineprozessen kann sich das interne Team auf strategisch wichtige Warengruppen (A-Teile) konzentrieren.
- Zugang zu Expertenwissen und Technologie: Ein spezialisierter Provider bringt Best-Practice-Erfahrung und modernste E-Procurement-Tools mit.
- Erhöhte Flexibilität: Externe Partner können Schwankungen im Bestellvolumen besser abfedern als starre interne Personalstrukturen.
Wünschen Sie hierzu eine Kurzberatung – kostenlos & unverbindlich?
Deep Dive: Tail-Spend Management & das 1-Kreditor-Modell
Um den wahren Wert des Outsourcings zu verstehen, muss man tief in den sogenannten “Tail-Spend” (Randbedarf) eintauchen. Hier liegt oft das größte ungenutzte Potenzial.
Das Problem
In vielen Unternehmen machen C-Teile (Büromaterial, Arbeitsschutz, Werbemittel, Ersatzteile) nur etwa 20% des Einkaufsvolumens aus, verursachen aber 80% der Transaktionskosten und binden 80% der Lieferantenbasis. Die Einkaufsabteilung ertrinkt in der Pflege von hunderten Kleinlieferanten, bei denen vielleicht nur einmal im Jahr bestellt wird.
“Nicht der günstige Einkaufspreis allein entscheidet über den unternehmerischen Erfolg, sondern die Effizienz der dahinterliegenden Prozesskette.”
Die Lösung durch Outsourcing (Das 1-Kreditor-Modell)
Ein spezialisierter Dienstleister fungiert als “Master Vendor” oder Intermediär.
- Kreditor-Reduzierung: Anstatt 500 einzelne Lieferanten für C-Teile im eigenen ERP-System anzulegen und zu pflegen, legen Sie nur noch einen einzigen Kreditor an: den Outsourcing-Dienstleister.
- Prozess: Wenn ein Mitarbeiter einen Spezialbohrer benötigt, bestellt er diesen beim Dienstleister. Der Dienstleister besorgt den Bohrer (egal wo) und schreibt dem Kunden eine Rechnung.
- Maverick Buying eliminieren: Da der Dienstleister Zugriff auf Millionen von Artikeln hat, müssen Fachabteilungen nicht mehr “wild” an der Einkaufsabteilung vorbei bei Amazon oder im Baumarkt einkaufen (“Maverick Buying”). Der offizielle Weg wird der einfachste Weg.
Das Ergebnis
Die Prozesskosten pro Bestellung sinken drastisch (oft von über 100€ auf unter 10€), die Stammdaten im eigenen System bleiben sauber, und die Buchhaltung muss nur noch eine Sammelrechnung am Monatsende prüfen statt hunderter Einzelbelege.
Risiken und Nachteile beim Procurement Outsourcing
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Eine Auslagerung muss gut geplant sein, um folgende Fallstricke zu vermeiden:
- Abhängigkeit: Man begibt sich in die Hand eines Dienstleisters. Wenn dieser performt, ist alles gut. Wenn er scheitert, steht die eigene Versorgungskette still.
- Wissensverlust: Internes Know-how über Lieferantenmärkte und Produktspezifika kann schleichend verloren gehen.
- Widerstand im Unternehmen: Die eigene Einkaufsabteilung könnte das Outsourcing als Bedrohung sehen. Change Management ist hier essenziell.
- Datensicherheit: Sensible Daten (Preise, Lieferantenverträge, Bedarfe) müssen mit dem Dienstleister geteilt werden.
Welche Bereiche eignen sich für die Auslagerung der Beschaffung?
Nicht jeder Prozess sollte extern vergeben werden. Eine klare Trennung ist wichtig für den Erfolg.
- Gut geeignet (Indirekter Einkauf & Tail-Spend): Bürobedarf, IT-Peripherie, Reinigungsdienstleistungen, MRO-Güter (Maintenance, Repair, Operations). Hier ist das Einsparpotenzial durch Prozesskostenreduzierung am höchsten.
- Bedingt geeignet (Strategischer Einkauf / A-Teile): Bei strategischen Rohstoffen oder Komponenten, die das eigene Endprodukt definieren, sollte die Hoheit im Unternehmen bleiben. Externe können hier beratend unterstützen, sollten aber selten die volle Kontrolle übernehmen.
Schritt-für-Schritt: Strategie für externes Einkaufsmanagement
Eine erfolgreiche Transition erfolgt in vier Phasen:
- Die Analysephase: Identifizieren Sie ineffiziente Warengruppen und analysieren Sie Ihre Prozesskosten. Definieren Sie klar, was “Core” (selbst machen) und was “Non-Core” (auslagern) ist.
- Die Partnerwahl: Suchen Sie nicht nur nach dem billigsten Anbieter, sondern nach einem “Cultural Fit”. Hat der Dienstleister Erfahrung in Ihrer Branche? Wie transparent sind seine Reporting-Tools?
- Die Transition: Starten Sie mit einem Pilotprojekt (z.B. nur eine Warengruppe). Definieren Sie klare SLAs (Service Level Agreements) wie Reaktionszeiten und Einsparziele.
- Das Monitoring: Outsourcing ist kein Selbstläufer. Etablieren Sie regelmäßige Review-Meetings, um die Performance des Dienstleisters anhand von KPIs zu prüfen.
Fazit zum Einkaufs-Outsourcing
Das Outsourcing von Einkaufsprozessen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein moderner Hebel für Wettbewerbsfähigkeit. Es ermöglicht Unternehmen, Komplexität zu reduzieren und Kosten signifikant zu senken.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch nicht im “Alles-oder-Nichts”-Prinzip, sondern in der selektiven Auslagerung: Behalten Sie die Strategie und die Hoheit über A-Teile im Haus, aber nutzen Sie das 1-Kreditor-Modell für den Tail-Spend, um den operativen Ballast abzuwerfen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Einkauf auslagern
Was kostet das Outsourcing des Einkaufs?
Die Kostenmodelle variieren. Gängig sind Transaktionsgebühren (pro Bestellung), monatliche Pauschalen (Retainer) oder erfolgsabhängige Modelle (Gain-Sharing), bei denen der Dienstleister einen Prozentsatz der erzielten Einsparungen erhält.
Lohnt sich Outsourcing für kleine Unternehmen (KMU)?
Ja, oft sogar mehr als für Konzerne. KMUs fehlen oft die Marktmacht und die Ressourcen für eine professionelle Einkaufsabteilung. Durch Einkaufsdienstleister erhalten sie Großkundenkonditionen ohne eigene Verhandlungsmacht.
Was ist der Unterschied zwischen Einkaufsverband und Outsourcing?
Ein Einkaufsverband bündelt lediglich Volumen für Rahmenverträge. Ein Outsourcing-Dienstleister übernimmt hingegen den operativen Prozess (Bestellung auslösen, Mahnwesen, Rechnungsprüfung) aktiv für Sie.
Welche KPIs sind wichtig beim Einkaufs-Outsourcing?
Wichtige Kennzahlen sind: Einsparungen (Savings), Durchlaufzeit einer Bestellung (Cycle Time), Maverick Buying Quote (Quote der Einkäufe am Prozess vorbei) und die Liefertreue der vom Dienstleister gesteuerten Lieferanten.
Kontakt



