Einkaufsberatung: Strategische Verbesserung der Beschaffungsprozesse (Guide)
💡 Kurz & Knapp: Einkaufsberatung im Überblick
Was ist Einkaufsberatung?
Einkaufsberatung (Procurement Consulting) bezeichnet die professionelle Analyse und Optimierung der Beschaffungsprozesse durch externe Experten. Ziel ist die nachhaltige Kostensenkung, Risikominimierung und strategische Professionalisierung des Einkaufs. Die Berater heben Ineffizienzen in der Supply Chain und setzen Maßnahmen zur Verbesserung der Margen um.
Wichtige Key Facts:
- Hauptziele: Senkung der Total Cost of Ownership (TCO) und Erhöhung der Versorgungssicherheit.
- Methoden: Spend Analysis (Ausgabenanalyse), Warengruppenmanagement und Ausschreibungsmanagement.
- Erfolgsmessung: Wird über KPIs wie Savings (Einsparungen) und Maverick Buying Quote gesteuert.
- Zielgruppe: Lohnt sich meist für Unternehmen ab 5–10 Mio. € Einkaufsvolumen.
1. Definition: Was macht eine Einkaufsberatung heute?

Viele setzen Einkaufsberatung immer noch mit rabiater „Preisdrückerei“ gleich. Doch dieses Bild ist veraltet. Eine moderne Einkaufsberatung ist eine spezialisierte Form der Unternehmensberatung, die tief in Ihre Supply Chain und das Beschaffungswesen eintaucht.Der Fokus hat sich drastisch verschoben:
- Früher: Der Einkäufer fordert „5 % Rabatt, sonst wechseln wir“.
- Heute: Berater optimieren die Gesamtkosten (Total Value of Ownership), sichern Lieferketten gegen Ausfälle ab und digitalisieren manuelle Bestellvorgänge.
Ein guter Berater analysiert den Ist-Zustand schonungslos: Wo kaufen Abteilungen am Einkauf vorbei? Wo schlummern Rahmenverträge aus dem letzten Jahrzehnt? Wo binden Sie unnötig Kapital?
2. Warum externe Beratung? Strategische Vorteile
Die Frage ist berechtigt: “Können unsere eigenen Einkäufer das nicht auch?” In der Theorie ja. In der Praxis scheitert es aber oft an zwei Dingen: Zeit und Betriebsblindheit.
Ein externer Blick offenbart Potenziale, die im Tagesgeschäft untergehen. Denn die mathematische Realität ist oft schockierend eindeutig:
“Im Vertrieb müssen Sie den Umsatz oft um 20 Prozent steigern, um denselben Gewinneffekt zu erzielen wie durch 2 Prozent Einsparung im Einkauf. Der Einkauf ist der stärkste Hebel für die Unternehmensrendite.”
Hier sind die vier strategischen Gründe, warum Unternehmen externe Hilfe holen:
- Objektivität & Benchmarks: Sie wissen, was Sie zahlen. Ein Berater weiß, was der Markt zahlt. Durch hunderte Projekte kennen Experten die echten „Best Practice“-Konditionen Ihrer Branche.
- Ressourcen & Speed: Im Tagesgeschäft geht Strategie oft unter. Berater bringen die nötige „Manpower“, um eine Spend Analysis in Wochen statt Monaten durchzuziehen.
- Das „Bösen-Cop“-Prinzip: Externe können heikle Themen (wie Lieferantenwechsel nach 20 Jahren) neutraler und konsequenter adressieren als Mitarbeiter, die persönliche Beziehungen zu Lieferanten pflegen.
- Methoden-Transfer: Gute Berater lassen Wissen da. Ihr Team lernt moderne Verhandlungstechniken (z. B. Spieltheorie), die auch nach Projektende im Unternehmen bleiben.
3. Die wichtigsten Methoden der Einkaufsberatung
Um die Beschaffung nicht nur kurzfristig billiger, sondern langfristig besser zu machen, nutzen Profis einen festen Werkzeugkasten. Das sind die effektivsten Hebel:
A. Spend Analysis (Ausgabenanalyse)
Das Fundament jeder Beratung. Daten aus Ihren ERP-Systemen werden bereinigt und kategorisiert (Wer kauft was bei wem?).
Der Effekt: Plötzlich sehen Sie, dass Büromaterial bei fünf verschiedenen Lieferanten bestellt wird – zu fünf verschiedenen Preisen.
B. Total Cost of Ownership (TCO)
Der günstigste Preis ist oft eine Mogelpackung. TCO betrachtet alle Kosten: Anschaffung, Transport, Zoll, Lagerung, Wartung und Entsorgung.
Der Effekt: Sie vermeiden versteckte Kostenfallen, die billige Produkte am Ende teuer machen.
C. Warengruppenmanagement
Bedarfe werden gebündelt. Statt dass jeder Standort seine eigene Energie oder Logistik einkauft, verhandeln Sie zentral ein riesiges Volumen.
Der Effekt: Sie nutzen massive Skaleneffekte und Mengenrabatte.
D. Lieferantenmanagement & SRM
Vom reinen „Besteller“ zum Partner. Dazu gehört auch die Lieferantenkonsolidierung: Sie reduzieren die Anzahl der Lieferanten, um den verbleibenden Partnern mehr Volumen (und damit bessere Konditionen) bieten zu können.
4. Deep Dive: Spieltheorie in Verhandlungen
Warum erzielen Berater oft Ergebnisse, an denen interne Einkäufer scheitern? Das Geheimnis liegt selten im lauteren Auftreten, sondern in der Anwendung der Spieltheorie.
Klassische Verhandlungen laufen oft linear ab: „Wir wollen Preis X, ihr wollt Preis Y, wir treffen uns in der Mitte.“ Das ist nett, aber ineffizient.
Professionelle Einkaufsberatung nutzt spieltheoretische Auktionsdesigns (Game Theory Auctions), um den Marktmechanismus zu verändern:
- Informations-Asymmetrie umkehren: Oft weiß der Lieferant mehr über seine Kosten als Sie. Durch strukturierte „Tender“ (Ausschreibungen) müssen Lieferanten ihre Kostenstruktur offenlegen (Cost Break Down), um überhaupt teilnehmen zu dürfen.
- Das Nash-Gleichgewicht verschieben: Berater schaffen Szenarien, in denen es für den Lieferanten die rationalste Entscheidung ist, den besten Preis zu bieten, statt zu pokern. Ein Beispiel sind e-Auctions (Ticker-Auktionen). Wenn Lieferanten in Echtzeit sehen, dass sie auf Rang 2 zurückfallen, entsteht ein dynamischer Wettbewerb, der in klassischen Papier-Verhandlungen unmöglich ist.
5. Praxis-Case: Effizienzsprung im Maschinenbau
Grau ist alle Theorie. Schauen wir uns an, was eine Einkaufsberatung in der Realität bewirkt.
Die Ausgangslage:
Ein mittelständischer Maschinenbauer (Umsatz ca. 80 Mio. €) beschaffte seine Zeichnungsteile und Rohstoffe dezentral. Jeder Produktionsleiter bestellte bei seinem „Lieblingslieferanten“ um die Ecke. Die Folge: Hohe Preise, keine einheitliche Qualität und Abhängigkeit von lokalen Anbietern (Single Sourcing).
Die Maßnahmen der Berater:
- Bündelung: Die Bedarfe aller drei Werke wurden zusammengefasst.
- Global Sourcing: Statt nur lokal zu kaufen, wurden Lieferanten in Osteuropa qualifiziert, die dieselbe Qualität zu 30 % günstigeren Lohnkosten boten.
- Dual Sourcing: Für kritische Bauteile wurde immer ein zweiter Lieferant aufgebaut, um Ausfälle abzusichern.
Das Ergebnis nach 12 Monaten:
- Einsparung: 1,2 Mio. € (GuV-wirksam).
- Sicherheit: Durch die Zweitlieferanten führte ein Lieferantenausfall im Folgejahr zu keinem Produktionsstopp.
- ROI: Das Beraterhonorar hatte sich bereits nach 4 Monaten amortisiert.
6. Entscheidende KPIs zur Erfolgsmessung
Was bringt die Beratung unterm Strich? Messen Sie den Erfolg nicht nur am Gefühl, sondern an harten Zahlen (KPIs):
- Savings (Einsparungen)
Die Königsdisziplin. Unterschieden wird in Hard Savings (guV-wirksam) und Soft Savings (Prozessverbesserungen).
👉 Ziel: Maximierung der Marge. - Maverick Buying Quote
Anteil der Beschaffungen, die „wild“ am Einkauf vorbei getätigt werden. Ein hoher Wert vernichtet Einsparpotenziale.
👉 Ziel: Reduzierung auf < 5%. - Liefertreue
Wie viel Prozent der Ware kommt pünktlich?
👉 Ziel: Erhöhung der Planungssicherheit. - Cost per Order
Was kostet Sie eine Bestellung intern (Personal, IT, Buchung)?
👉 Ziel: Senkung durch Automatisierung. - Versorgungsrisiko
Wie wahrscheinlich ist der Ausfall eines Hauptlieferanten?
👉 Ziel: Risikominimierung.
7. Ablauf eines Beratungsprojekts
Ein professionelles Projekt folgt meist einem klaren 4-Phasen-Modell, um Ergebnisse zu garantieren:
- Diagnose (Ist-Analyse): Datenaufnahme, Interviews mit Stakeholdern, Erstellung des „Spend Cube“. Wo liegen die Quick Wins?
- Strategieentwicklung: Definition von Warengruppenstrategien. Schreiben wir neu aus? Verhandeln wir nach? Wechseln wir Lieferanten?
- Umsetzung (Tender Management): Durchführung von Ausschreibungen, harte Verhandlungen (oft unterstützt durch E-Auctions) und Vertragsgestaltung.
- Verankerung & Monitoring: Implementierung neuer Prozesse und Schulung Ihrer Mitarbeiter, damit die Einsparungen nicht nach 6 Monaten wieder verpuffen.
8. Fazit: Warum sich professionelle Einkaufsberatung lohnt
Einkaufsberatung ist heute weit mehr als das Drücken von Preisen. In Zeiten von Inflation und brüchigen Lieferketten sichert eine strategische Verbesserung der Beschaffungsprozesse Ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Wer hier investiert, profitiert doppelt: Sie senken sofort Ihre Kosten (und erhöhen damit direkt den Gewinn) und machen Ihr Unternehmen gleichzeitig wetterfest gegen Versorgungsengpässe. Die Investition in externe Expertise amortisiert sich durch die realisierten Einsparungen (ROI) meist schon innerhalb weniger Monate.
9. Häufige Fragen zur Einkaufsberatung
Was kostet eine Einkaufsberatung?
Es gibt zwei gängige Modelle:
- Tagessatz: Klassische Abrechnung nach Zeitaufwand.
- Erfolgsabhängig (Contingency): Das Honorar ist ein Prozentsatz der tatsächlich realisierten Einsparungen (oft über 12–24 Monate). Das ist für Sie risikofrei: Keine Einsparung, kein Honorar.
Für welche Unternehmensgröße lohnt sich das?
Als Faustregel gilt: Ab einem Einkaufsvolumen von ca. 5–10 Mio. € p.a. sind die Hebel groß genug, dass sich externe Berater schnell rechnen. Aber auch kleinere Firmen profitieren bei komplexen Themen wie Logistik oder Energie von Spezialisten.
Wie lange dauert ein solches Projekt?
Eine erste Potenzialanalyse (Diagnose) dauert oft nur 2–4 Wochen. Ein komplettes Transformationsprojekt inklusive Umsetzung nimmt meist 6 bis 18 Monate in Anspruch.
Was ist der Unterschied zwischen operativem und strategischem Einkauf?
Der operative Einkauf hält den Laden am Laufen (Bestellungen schreiben, Termine mahnen). Der strategische Einkauf macht den Laden besser (Lieferantenauswahl, Rahmenverträge, Optimierung). Beratung setzt fast immer beim strategischen Teil an, um den operativen zu entlasten.
Mario Schmidtgen
Co-Founder & CEO
Mario Schmidtgen und Tobias Maurer haben zusammen über 30 Jahre Erfahrung in der Einkaufsberatung.
Tobias Maurer
Co-Founder
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